Der 3. Rostocker Indoorman

Januar, der Winter ist im vollen Gange und vermiest uns Outdoor-Sportlern schon mächtig die Laune. Wir sitzen auf der Rolle, schrubben das Laufband, nur im Wasser ziehen wir gewohnt unsere Bahnen. Jeder einzelne Sonnenstrahl wird versucht zu nutzen, doch auch bei Sonnenschein sind Temperaturen um die null Grad keine Motivatoren für lange Läufe oder Radeinheiten.

Doch halt was kommt dort um die Ecke?
In der Tristess der dunklen Jahreszeit, hatten ein paar Vitamin-D abstinente Triathleten die Schnappsidee, den Saisonstart ein bisschen vor zu ziehen.
Der Indoorman ward geboren.

375 Meter schwimmen auf einer 25er Bahn.
8 Kilometer Fahrradfahren auf dem Radergometer.
2,5 Kilometer Laufen auf dem Laufband.
Alles in ein und der selben Halle.

Es ist der Samstagmorgen des 20. Januar 2017

Die Neptun – Schwimmhalle in Rostock füllt sich langsam, mit den ersten Startern dieses einmaligen Events. An diesem Wochenende wird hier zum dritten mal der OSPA Indoorman der TG TriZack Rostock stattfinden.

Ich stehe bei der Helferbesprechung und nehme die Anweisungen für den Tag entgegen. Die ersten Läufe sind für die Kinder von 6-12 Jahren vorgesehen, danach folgen die Staffel- und Liga-Starts.
Meine Aufgabe wird heute sein, die Aufsicht über die Radergometer zu führen und den Startern, im Falle eines Falles, bei der Einstellung ihres statischen Drahtesels zu helfen, bevor ich dann in meiner eigenen Staffel antreten darf.DSC_0176[1] Die ersten Kids flitzen an mir vorbei (die ganz kleinen müssen nur Schwimmen und dann ins Ziel laufen) Freude und Hektik steht ihnen ins Gesicht geschrieben, eine Minute später reißen sie, auf der anderen Seite der Halle, im Jubel, ihre Arme in die Höhe.
Es wird wärmer.

Nach den Kinderstarts ist erstmal eine kleine Pause. Die Abläufe werden noch einmal besprochen und kleinere Verbesserungen vorgenommen.
Nun sind die ersten Erwachsenen an den Startblock getreten. Es startet jeder der Lust und Zeit hat. Es ist von der Sache her ein Jedermantriathlon, nur eben Indoor.
Und es wird immer wärmer.

Pro Lauf sind bis zu 12 Starter beziehungsweise Staffeln unterwegs. Gestartet wird am Beckenrand oder vom Wasser aus. 15 Bahnen müssen absolviert werden, bevor man aus dem Becken kraxeln darf. Die Übergabe des Transponders erfolgt danach. Der Radfahrer spurtet nun die Treppenstufen der Tribüne hinauf, zu den dort aufgereihten Ergometern. Sattel einstellen, drauf geschwungen und ab geht es.
Die Besonderheit hier ist, man sollte die Stufe so hoch wie nötig und die Frequenz so hoch wie möglich fahren. 140er Frequenzen sind beim Indoorman keine Seltenheit. Sobald die 8 Kilometer absolviert sind, darf der Läufer der Staffel seinem Fahrer den Chip vom Bein reißen und sich zu den Laufbändern begeben.
Er läuft einen Rundgang zur gegenüberliegenden Tribünenseite. Hier sind die Laufbänder aufgestellt. Drauf gesprungen und Vollgas.

Eine Sache die den Indoorman prägt, ist die Nähe des Sportlers zu seinen Angehörigen, Teammitgliedern, Vereinskollegen, Freunden, Bekannten und völlig Unbekannten. Sie können jederzeit in Schlagdistanz sein und anfeuern sowie, und das ist vielleicht sogar wichtiger, Luft zufächern, denn es wurde immer noch wärmer. In der Spitze betrug die Lufttemperatur 29 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit gefühlt 100%, vom bloßen Stehen lief mir der Schweiß von der Stirn.

Mein Lauf rückte näher und ich traf mich mit Julia und Martin, meinen heutigen Mitstreitern. Julia schwimmt, ich fahre Rad und Martin läuft.
Jetzt dauert es nicht mehr lange und es geht los. Umziehen, Aufwärmen (als wenn es nicht schon warm genug wäre) und es geht los.
Julia startet und schmettert eine bombastische Zeit von 04:45 Minuten ins Becken. Jetzt der Wechsel. Ich fummel den Transponder von ihrem Bein, knote ihn mir um den Knöchel und starte als erster unseres Laufes in Richtung Ergometer.

IMG_8013[1].JPG

Sattel hoch, Po drauf und losgekurbelt. Stufe 12, 135 Umdrehungen pro Minute, jetzt muss ich das nur noch halten. Doch schon nach wenigen Minuten fiel meine Frequenz auf 130 und schließlich auf 125, welche ich aber beibehielt.
Mein Mund wurde trocken, der Schweiß lief in Strömen und meine Lunge begann zu brennen. Ich habe schon lange nicht mehr soviel Gas gegeben. Nach 09:45 Minuten durfte sich Martin den Transponder schnappen und zur letzten Etappe aufbrechen. Wenn man meine Radzeit umrechnet, habe ich im Schnitt eine Geschwindigkeit von etwa 50km/h halten können.
Unser Vorsprung war noch weiter gewachsen und Martin rannte unseren Sieg nach Hause. 08:21 Minuten brauchte er für die abschließenden 2,5 Kilometer.
Mit einer Gesamtzeit von 22:53 Minuten gewannen wir, knapp eine Minute vor dem nächsten Team Gold.

Der Wettkampfteil war vorbei und mein Verein lud alle Starter, Freunde und Helfer zu einer Aftershow-Pasta-Party ein. Bei Speis und Trank wurde es für viele noch ein feucht fröhlicher Abend. „What happened on the Pasta-Party stays on the Pasta-Party.“

Der nächste Morgen. Eine kurze Nacht liegt hinter uns. Heute finden die Einzelwettkämpfe statt. Auch wenn mein Einsatz in der Staffel recht kurz war, ging mir ein Gedanke während der kleinen harten Radtour nicht aus dem Kopf: Morgen musst du vorher schwimmen und dann noch auf das Laufband. Bei der Hitze. Ein bisschen Respekt hatte sich breit gemacht.

Ich versuchte den Tag nichts weiter zu machen und erst relativ spät in die Halle zu gehen, um noch so frisch wie möglich zu sein.
Die Zeit vergeht gnadenlos, ehe ich mich versah, war ich umgezogen und begann mich einzuschwimmen. Zeit sich in das Starterzelt zu begeben. Der Sprecher rief zur Startaufstellung. Jeder wird, bevor es losgeht, kurz vorgestellt und sein Abbild flimmerte über die halleninterne Leinwand.

Startschuss.

IMG_8000[1].JPG

Der Sprung ins kalte Nass.
Es ist jedesmal wieder erstaunlich, wie der Körper, trotz aller Aufregung funktioniert und einfach sein Programm abspult.
Die ersten Bahnen liefen richtig gut, doch halt, war das jetzt die 8. oder 9. Bahn. Ach verdammt, ich bekam nicht mehr zusammen, wie weit ich schon war. Problem Nummer zwei – eigentlich kein Problem sondern ein Grund zur Freude – ich führte in meinem Lauf und konnte so nicht gucken, wann der erste aus dem Becken kriecht. Gott sei Dank schloss meine gestrige Staffelkollegin Julia zu mir auf und wies mir den Weg.
Schnell raus aus dem Becken. Schuhe an und weiter gehts.
Das Radfahren kannte ich ja schon. Meine Freundin und ihre Schwester warteten schon am Ergometer. Zu meiner Überraschung schaffte ich die 8 Kilometer wesentlich entspannter als am Vortag und ich konnte frohen Mutes zum Laufband starten.
Hier wartete wie man sich schon denken kann, der Entgegner.
15 km/h zum Einlaufen, dann auf 16 und schließlich auf 19 km/h beschleunigen. Die Beine flogen dahin. Von meinen Freunden angepeitscht, versuchte ich auch noch das Letzte bisschen aus mir herauszuholen.

IMG_8036[1].JPGDie Distanzanzeige des Laufbandes schien mir an dem Tag nicht wohlgesonnen und ließ sich beträchtlich viel Zeit, bis sie 2,5 Kilometer anzeigte. Für den Schlussspurt konnte ich nochmal an der Schnelligkeitsschraube drehen und erreichte schließlich 19,6 km/h und damit eine Pace von 3:14 min/km.
Nach der letzten Disziplin musste ich nur noch ins Ziel wanken.

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Meine Zielzeit von 26:01 Minuten stimmte mich ganz zufrieden, es war bis dahin die Bestzeit des Tages. Für den Sieg reichte es am Ende jedoch nicht. Michael Raelert sicherte sich diesen, zwei Läufe später. Er und seine direkten Kontrahenten im letzten verwiesen mich letztlich auf einen guten sechsten Platz.

Als Resümee kann ich nur sagen, dass es ein tolles Event, mit einer super Stimmung, ist. So nah an den Zuschauern ist man wohl bei keinem anderen Triathlon und jeder der das mal erleben will, ist herzlich nach Rostock eingeladen.
Nur hier zu testen: Das Hawaii – Feeling in Norddeutschland!

2 Kommentare zu „Der 3. Rostocker Indoorman

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  1. Es war echt ein tolles Event, so nah neben den Sportlern zu sein und das die gesamte Zeit über. Starke Leistung bei den Temperaturen, wenn du nächstes Jahr auch dabei bist unterstützen ich dich selbstverständlich wieder 😉

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