Warum mache ich das überhaupt?

Langeweile oder so?!

Als ich das erste mal gefragt wurde, warum ich mich der Belastung einer Langdistanz aussetze und dem damit verbundenen Training, wusste ich nicht so recht was ich antworten sollte.
„Ich will das halt“, schoss es mir durch den Kopf. Eine befriedigende Antwort war das allerdings auch für mich selbst nicht.
Die Frage hat sich mir in meinem bisherigen Umfeld so nicht gestellt. Im Judo wollte ich, seit ich 5 war, der Beste sein, bzw. als der Gewinner von der Matte gehen.
Der Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau hat etwas faszinierendes.
Es ist ein direktes Kräftemessen, unglaublich taktisch und wahnsinnig schnell. Nach einem langen und harten Kampf als Sieger von der Matte zu gehen, ist eines der höchsten Glücksgefühle, die man in meinen Augen haben kann.
Das Ziel war klar und die Motivation auch: Besser sein als meine Kontrahenten und damit auch den Sprung zur EM oder WM schaffen, vielleicht sogar Olympia.
Ich schreibe bewusst „besser“ und nicht „stärker“. Wer stark ist und Oberarme hat, wie andere Schenkel, kann von einem cleveren Ausdauer orientierten Judoka aufgeraucht werden, dass funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

Nun ist es ja im Triathlon eher die Ausnahme, dass man körperlich Mann gegen Mann kämpft, maximal das ein oder andere Freiwasserschwimmen erinnert mich entfernt an meine Zeit auf der Matte.

Was treibt mich also an?
Ich denke zuerst war es einfach nur das Gefühl etwas besonderes zu machen.
Die Distanzen und die schier unglaubliche zeitliche Länge, ist für einen Judoka, der sonst eine Kampfzeit von ca. 5 min hat, einfach Wahnsinn. Je mehr ich mich allerdings mit dem Thema beschäftigte, umso mehr gerieten andere Dinge in den Vordergrund.

Im Verlauf meines Trainings und den immer länger werdenden Einheiten, geriet ich immer öfter ins Gefecht mit mir selbst. Die kleine, aber immer lauter werdende Stimme in meinem Kopf, die nach einer Pause ruft und ständig nach Abkürzungen oder Ausreden sucht, wurde zu meinem neuen Gegner und ständigem Begleiter. Und ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich immer gegen sie gewinne.
Auch die Bewegung an sich rückte mehr in den Vordergrund. Ein Medizinstudium studiert sich nicht nebenbei und umso mehr genieße ich jetzt die Momente im Wasser, bei langen Läufen oder während einer dreistündigen Radfahrt. In denen es nicht um die nächste Prüfung oder die Doktorarbeit geht, sondern darum, zu Trainieren, sich zu bewegen, das Wasser zu fühlen,  zu spüren wo die Grenze ist, sie zu überschreiten und völlig fertig nach Hause zu kommen.

Und trotzdem, da ist sie dann wieder, diese fiese Stimme im Ohr… bleib liegen… 10 Minuten hast du noch… eine Folge Big Bang Theory geht schon noch… hach das Wetter ist grade irgendwie auch nicht so geil… mach es doch morg… Stopp. Warum nicht jetzt? Niemand treibt dich oder mich an? Ja aber, es hält uns auch niemand auf.

Alleine das Gefühl draußen im Training zu stehen, während man eigentlich so gar keine Lust hat, kann atemberaubend sein (im wahrsten Sinne des Wortes).

Falls ich das nächste mal gefragt werde, warum ich mir das antue, kann ich sagen:
Weil es Spaß macht, mir Dinge gibt und lehrt, die im normalen Alltag nicht zu greifen sind und – if you never try you’ll never know.

 

 

 

3 Kommentare zu „Warum mache ich das überhaupt?

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