Ein Fahrrad, ein Fahrrad, ein Königreich für ein Fahrrad

Verdammt… billig ist anders

Mein Entschluss war gefasst und nach der sau teuren Anmeldung für die Challenge Roth gab es auch kein zurück mehr.

Jetzt startete die Vorbereitung.
Es dauerte nicht lange und neben unzähligen Fragen zu Trainingsarten, -umfang, möglichkeiten, -dauer… etc. drängte sich das Gefühl auf; Sportgeschäfte werden wohl meine zweite Heimat.
Ich hatte zwar sieben vollständige, dem internationalen, nationalen und Bundesliga Reglement entsprechenden, Judoanzüge, aber für swim, bike und run war ich eher rudimentär ausgestattet.

Ein Rennrad hatte ich immerhin schon und auch kein schlechtes. Ich hatte damals gespart und neben dem Studium viel gearbeitet, um es mir leisten zu können.
Mein Cube Agree GTC Race, ist ein schönes Stück Carbon und brachte mich bis jetzt auch immer sicher und vor allem schnell von A nach B.  Wobei A sowie B immer meine Haustür ist, denn ich traue mich bis heute nicht, damit in der Stadt zu fahren oder es gar irgendwo länger stehen zu lassen.

Als absoluter Triathlon-Neuling versucht man ja aus allen möglichen Quellen Informationen, Inspirationen und Motivation zu bekommen und so kam ich an diversen Youtube-Videos nicht vorbei.
Was mir dabei am stärksten auffiel, war dass die Räder der meisten Triathleten mehr mit einem Kampfjet zu tun haben, als mit meinem kleinen Rennrad. Also habe ich Google angeworfen und versucht alles über die sogenannten Zeitfahrräder herauszufinden.

Ok, die aerodynamische Sitzposition ist offensichtlich, aber dass der größere Bauchwinkel eine bessere Verdauung und Atmung bedingt und auch die spätere Laufperformance verbessert, ist nicht unbedingt von außen zu sehen. Auch wie viel Energie man mit einem Zeitfahrrad einsparen kann, war mir nicht klar.

Geladen mit der neuen Informationsflut überkamen mich mehrere Gedanken:

  1. Ja wie teuer ist denn so ein Kampfjet – Drahtesel
  2. Alter?!… Für den Preis muss ich mir selbst ein Mittelklasserad einrahmen und an die Wand hängen, ich bin doch nicht König Midas
  3. Wie kann ich aus meinem Rennrad ein Zeitfahrrad machen
  4. Ähm… das ist ja auch nicht grade billig und soll nur mäßig gut funktionieren.

Der Ehrgeiz ergriff Besitz von mir, ich wollte ja das bestmögliche Ergebnis einfahren. Ein bisschen Technikgeilheit kam vielleicht auch dazu ;).
Ich muss zugeben: Zu Beginn fand ich die Räder von Scott, Canyon und Co. nur mäßig schick, aber je länger ich sie ansah, umso hübscher und teurer wurden sie.
So ein Mist, wo bekomme ich denn jetzt so ein Teil her?

Nach langem Überlegen und rum planen, war klar, alleine konnte ich das nicht stemmen. Ich brauchte schließlich auch noch ewig viel anderes Zeug, welches gefühlt, sobald ein Tri im Namen steht, direkt das doppelte kosten möchte.

Hilfe bekam ich von meinen Eltern, die schnell von der Triathlon-Idee begeistert waren (und mittlerweile selbst auf ihren ersten Triathlon hintrainieren).
Meine Erzeugerfraktion, der ich sehr, sehr dankbar bin, hat mir also ein bisschen Geld vorgeschossen, damit ich auf die Jagd nach einem gebrauchten Carbon-Tiefflieger gehen konnte.

Die Suche begann.
Meine erste Anlaufstelle waren die Ebay-Kleinanzeigen. Ich wurde auch schnell fündig. Mit 1500 Euro Budget kann man zwar auch im gebrauchten Sektor keine allzu großen Sprünge machen, aber ein paar gute Angebote gibt es auch hier.
Nach langem Warten und Ausschauhalten fand ich eine Annonce ganz in meiner Nähe, über ein Canyon Speedmax CF aus dem Jahre 2012. Die Größe passte und der Zustand schien auf den Bildern auch recht gut; die Flaggen standen auf Angriff.
Gesagt getan, Verkäufer angeschrieben, Treffen vereinbart und hingefahren.
Nach einer Testfahrt und einem ausführlichen Gespräch war der Deal klar.
Damit war ich der stolze Besitzer eines Zeitfahrrades, welches, zwar nicht auf dem neusten Stand der Technik ist, aber schnell ist es allemal.

Erkenntnis des Tages: Lasse dein Rennrad im Sommer, auch nicht kurz, in einem Auto, wenn die Reifen noch aufgepumpt sind. Der nächste Besuch im Radladen war dementsprechend schon geplant, bevor ich meine ersten ausgiebigen Runden drehen konnte.

_20180118_194907Im Nachhinein kann ich sagen, dass sich die Investition auf jeden Fall gelohnt hat. Man muss sich zwar erst an diese Sitzposition gewöhnen und ich habe fast ein halbes Jahr gebraucht um, die für mich richtigen, Einstellungen zu finden, aber der Unterschied ist deutlich spürbar. Sowohl das Gefühl, als auch die gefahrenen Zeiten sind deutlich besser, als auf einem Rennrad .Um ein professionelles Bike – Fitting werde ich aber in Zukunft nicht herum kommen, denn was da noch an Reserven schlummern ist enorm und wird von vielen unterschätzt.
Es braucht trotz aller Euphorie, einiges an Geduld und eine längere Eingewöhnungsphase, um das unpräzisere Handling eines Zeitfahrrades, im Vergleich zu einem normalen Rennrad, richtig zu beherrschen.

Geiles Teil.

 

 

 

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